Der neue Mädchentraum: Sexgöttin?

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Früher wollten sie alle Prinzessinnen werden: Der Märchenschleim der grimmschen Brüder setzte sich frühzeitig in ihren Gehirnen ab: Sie hörten vom wunderschönen, aber leider noch den jungfräulich-dornig schlafenden Dornröschen, das die Schenkel nur einem edlen Ritter öffnen dufte. Sie vernahmen erstaunt die Geschichte von der nativen, aber wunderschönen Königstochter, die zuerst einen gestandenen Jäger mit ihrer jugendlichen Unschuld bezirzte. Dann aber bedurfte es der Aufsicht von sieben Bergarbeitern, um sie von Dummheiten abzuhalten, bis sie schließlich im Tiefschlaf der Unschuld und dazu gläsern eingesargt in ein Schloss verfrachtet werden sollte. Schließlich hörten sie begierig von einem Mädchen, dass gegen jede irdische Gerechtigkeit in den Status einer Magd versetzt wurde, aber durch Redlichkeit, Geduld und magische Kräfte letztendlich doch noch ins royale Ehebett kam.

Aus der Traum – verpufft ist das Trugbild von der jugendlichen Unschuld, die auf Ritter und Königssöhne wartet, um endlich in den deflorierten Zustand versetzt zu werden.

Das neue Idealbild scheint die Sexgöttin geworden zu sein, die Frau, an deren Schwelle Dutzende von Männern hecheln, um diesen oder jenen Gunstbeweis in Empfang nehmen zu können. Die Bücher wuchsen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden: 696 Tipps hat Anne West in ihrem „Handbuch“ für Sexgöttinnen zusammengestellt, die deutsche Ausgabe von Dianne Brills Buch „Dressed to Kill“ wird zur „Wie werde ich eine Sexgöttin“ und Flic Everett bringt uns „Die perfekte Sexgöttin“ und das neueste Buch kommt jetzt von der Tochter einer Schweizer Emanzipationsikone: : „Heissssss: Eine Lustreise zur Sexgöttin“ ist von Maja Onken, von der man bisher eigentlich nur etwas als Tochter von Julia Onken gehört hatte.

Warum Frauen Sexgöttinnen werden wollen? Nun, sie wollen es gar nicht, denn eine wirkliche Sexgöttin bekommt ja von den Irdischen keinen Sex, sondern bestenfalls Huldigungen. Auch bei den irdischen, selbst ernannten „Sexgöttinnenanwärterinnen“ scheint keine Eindeutigkeit vorzuherrschen, ob sie nun eher göttliche Verteilerinnen von Sexgunst sein wollen oder selber göttliches Empfinden daraus ziehen wollen.

In dieser Weise muss man dann auch wohl differenzieren, welchen Gewinn die „Göttinnen-Schülerinnen“ selber aus diesen Büchern ziehen wollen: Mehr Lustgewinn aus den vorhandenen Ressourcen Namens Vibratoren und Männermaterial zu bekommen oder mehr und bessere sexuelle Dienste freizügig an Männer zu verteilen, um begehrter zu sein.

Bleiben wir mal den Frauen, die sich mehr Männer vor ihren Türschwellen wünschen, aus denen sie geeignetes Material für ihre kalten Betten aussuchen können: Die beste Zeit, um die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und sie durch Verhaltensmodifikation, Kosmetik und Kleidung noch zu unterstützen, liegt zwischen dem dreißigsten und dem neununddreißigsten Lebensjahr, wobei die Skala eher nach oben als nach unten offen ist. Jüngere Frauen müssen die noch nicht vorhandene erotische Reife, die eine „Sexgöttin“ benötigt, durch Schauspielkunst überspielen – also eher kein Mädchentraum.

Ob sich die Sache überhaupt lohnt? Natürlich nicht. Die Sexgöttin ist die neue Prinzessin, die inzwischen ein bisschen frivoler geworden ist, weiter gar nichts. Und so wenig, wie es sich lohnt, auf den Königssohn zu warten, so wenig zahlt es sich aus, darauf zu warten, dass die Männer nun endlich an der Türschwelle Aufstellung nehmen, um eingelassen zu werden.

Vergaß ich etwas? Oh ja. Der einzige Grund, eine „perfekte Sexgöttin“ zu werden, ist der, sich als solche zu vermarkten. Entweder, indem sie Bücher für Ihre Anhängerinnen schreiben, oder indem sie den himmlischen Sex an den Markt bringen.

Bild oben © 2009 by aspersa. Buchbild: Verlagswerbung

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